Ein Wirbelsturm ist ein sturmartiges Windsystem mit einer vertikalen Drehachse. Die Bezeichnung ist jedoch sehr verallgemeinert für verschiedene Sturmsysteme und kann somit leicht verwechselt werden. Denn diese Systeme unterscheiden sich in ihrer Entstehung, Grösse und Struktur deutlich voneinander, wodurch eine genaue Unterscheidung hierbei sehr wichtig ist.

Wir unterscheiden und erklären die folgenden Windsysteme:
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Tropische Wirbelstürme

Ein tropischer Wirbelsturm entsteht – wie der Name bereits vermuten lässt – üblicherweise nur in den Tropen oder Subtropen. Es ist ein Tiefdrucksystem mit organisierter Konvektion, schweren Gewittern und einer geschlossenen Bodenwind-Zirkulation um das Zentrum. Durch die Corioliskraft rotieren sie dabei zyklonal. Das heisst, dass sich diese tropischen Wirbelstürme auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn und auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn drehen. Die typischen und spiralförmig angeordneten Wolkenbänder solche Stürme sind ebenso Ursache dieser Rotation.

Die Windgeschwindigkeiten eines solchen tropischen Wirbelsturms kann bis zu 300km/h oder mehr erreichen.
Tropische Wirbelstürme zählen zu den Naturereignissen, die sich zu Naturgefahren ausweiten sobald Menschen, Natur und Sachwerte bedroht werden. Besonders die Wirkung von Wind und Regen können zu schweren Zerstörungen führen. Dabei kommt es fast immer zu Sturmfluten da sich ein solcher Wirbelsturm aufgrund seiner grossen Ausdehnung an einem Ort oft über Stunden halten kann. Dieser starken Winde gefährden vor allem die Schifffahrt auf den Meeresgebieten und können an Land durch die Windkraft direkt oder durch Hochschleudern und Verfrachten von Gegenständen indirekt selbst massiv gebaute Gebäude und Fahrzeuge oder Bäume beschädigen.


Die Entstehung

Auf der Meeresoberfläche verdunsten besonders im Spätsommer und Herbst grosse Wassermengen welche mit der warmen Luft aufsteigen. Die Corioliskraft sorgt dafür dass sich diese anfangen zu drehen und somit ein riesiger Wirbel entsteht, in dessen Mitte sich das sogenannte „Auge“ (eine windfreie, wolkenarme und niederschlagsfreie Zone im Zentrum des Sturmes) befindet. Direkt drumherum liegt die sogenannte „Eyewall“ welche aus hochreichenden Wolken besteht, in dieser im allgemeinen die höchsten Windgeschwindigkeiten auftreten. Die darin bestehende Windrichtung wird durch die Zentrifugalkraft beeinflusst. In besonders starken Hurrikans zum Beispiel können sich mehrere solche Eyewalls ausbilden.

Erreicht ein solcher tropischer Wirbelsturm das Festland wird dieser meist schwächer weil die feuchtwarme Luft als Energienachschub fehlt.

Die Bildung dieser Wirbelstürme ist nur über grossen Wasseroberflächen möglich, da hier die Reibung wesentlich geringer ist als Land und die Luftfeuchtigkeit gross genug ist. Die Wärme wird beim Verdunsten auf dem Ozean langsam entzogen und bei der Kondensation schnell wieder abgegeben.Diese sogenannte Kondensationswärme treibt den tropischen Wirbelsturm hauptsächlich an. Wichtig dabei ist die Oberflächentemperatur des Wassers sowie der Temperaturunterschied zwischen dem Wasser und der Luft in höheren Schichten. Man sagt, dass die Oberflächentemperatur bis zu einer Tiefe von 50m mindestens 26 bis 28 Grad Celsius betragen sollte. Ist die Luft in den höheren Schichten kälter, so können auch bereits niedrigere Wassertemperaturen von 20 bis 24 Grad Celsius für die Sturmbildung ausreichen. Damit sich ein Wirbel ausbilden kann darf die Windscherung zwischen den verschiedenen Luftschichten nicht zu gross sein.

Hurrikan

Tropische Stürme welche die Meere und Küsten östlich sowie westlich des amerikanischen Doppelkontinents betreffen, werden heute im allgemeinen als Hurrikan bezeichnet. Gemäß der Definition nach der Saffir-Simpson-Skala spricht man von einem Hurrikan, wenn die Windgeschwindigkeit 64 Knoten (118,4 km/h) übersteigt, d. h. Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala erreicht.

KategorieWind in knWind in km/hFlutwelle beim Auftreten auf Land (in m)Kerndruck in hPa
Tropischer Sturm34–6363–1170–1,1
1 (schwach)64–82118–1521,2–1,6über 980
2 (mäßig)83–95154–1761,7–2,5965–979
3 (stark)96–113178–2092,6–3,8945–964
4 (sehr stark)114–135211–2503,9–5,5920–944
5 (verwüstend)ab 136ab 252über 5,5unter 920

Zyklon

Als Zyklon gelten Wirbelstürme im indischen Ozean und im südlichen pazifischen Ozean.
In Australien und Indonesien werden die Zyklone traditionell auch „Willy-Willy“ genannt. Ebenfalls als Zyklon bezeichnet wurden die bislang äußerst selten entstandenen tropischen Wirbelstürme im Südatlantik, sofern sie Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke erreichten.

Taifun

Stürme welche den nordwestlichen Teil des Pazifiks sowie Ost- und Südostasien betreffen, werden Taifun genannt.
Taifune gehören zu den schwersten Naturkatastrophen im Nordwestpazifik. Alljährlich richten sie starke Zerstörungen mit hunderten Toten an. Schwere Schäden entstehen nicht nur durch die hohen Windstärken, sondern auch durch die häufig sehr starken in kürzester Zeit fallenden Niederschläge, die zu Überschwemmungen und Bergrutschen führen.

Medicane

Medicane sind Wirbelstürme die gelegentlich auch auf dem Mittelmeer beobachtet werden und sich den tropischen Wirbelstürmen sehr ähneln. Die Bezeichnung „Medicane“ ist eine Ableitung aus dem englischen Mediterranean Sea (Mittelmeer) und Hurricane. Sie entstehen besonders  im Herbst, indem Kaltluft aus den gemäßigten Breiten in Richtung Äquator strömt und in den höheren Luftschichten ein Cut-Off-Tief ausgebildet wird („außertropischer Prozess“). Die warmen Wassertemperaturen des Mittelmeeres kondensiert die durch Verdunstung feuchte Luftmasse und bildet im Zuge der vom Höhentief verursachte Konvektion einen Wolkenwirbel.  Das Auge mit der entsprechenden Abwärtsbewegung entsteht ähnlich wie bei den tropischen Wirbelstürmen, jedoch werden im Wirbel nur selten Windgeschwindigkeiten eines Orkanes erreicht, sondern zumeist nur eines Sturms bis 120 km/h.

Zentraler Unterschied zwischen einem echten tropischen Hurricane oder Zyklon und diesen Ereignissen ist, dass sie kein sich selbst stabilisierendes oder gar selbstnährendes Wettersystem aufbauen. Das Einzugsgebiet im Mittelmeerraum ist insbesondere zu klein. Die augenbildenden Wirbel werden primär von außen angetrieben, und zerfallen in ihrer Struktur meist innerhalb von Stunden wieder zu regulären Tiefdruckwirbeln.

 

 

Tiefdruckgebiete (Sturmtiefs)

Ein Tiefdruckgebiet beschreibt eine Region mit verhältnismässig niedrigem Luftdruck, dessen tiefster Wert das Zentrum darstellt.  Dieses wird im deutschsprachigen Raum mit einem  „T“ und im englischen mit einem „L“  gekennzeichnet.

Für die Entstehung und Veränderung von Tiefdruckgebieten ist Druckfall von entscheidender Bedeutung.  Für den Druckfall am Boden muss aus diesem Grund in der oberen Troposphäre mehr Luft aus der Luftsäule über dem Tiefzentrum ausströmen, als in bodennahen Schichten nachfliesst. Die Divergenzen in der Höhe verursachen grossräumig aufsteigende Luftbewegungen (dynamische Hebung) in der unteren Troposphäre.

In den gemässigten Breiten werden ebenfalls mittels Aufgleiten warmer Luft über Kaltluft weitere Hebungsprozesse hervorgerufen oder durch starkes Aufheizen des Bodens und somit auch der unteren Luftschichten via der Sonne induziert. Da wärmere Luft aufgrund einer geringerer Dichte leichter als kalte Luft ist, steigt diese letztendlich auf. Die aufsteigenden Luftbewegungen werden mithilfe der Umwandlung von dem in der Luft vorhandenem Wasserdampf in Wolken- bzw. Regentropfen verstärkt (dies nennt man Kondensation). Beim Aufsteigen kühlt die Luft ab und die relative Luftfeuchte des aufsteigenden Luftpaketes nimmt zu und kondensiert. Das heisst es kommt zu Wolken- und Niederschlagsbildung. Beim sogenannten Kondensationsvorgang wird zusätzlich Energie für Hebung frei.

Die Luftmassen bewegen sich mit zyklonalem Drehsinn (auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel umgekehrt) um ein Tiefdruckgebiet herum und führen binnen alldem anders temperierte Luftmassen gegeneinander.

Mitunter gibt es verschiedene Tiefdruckgebiete wie zb. Höhentief, Bodentief, etc. doch wir gehen hier etwas näher auf das sogenannte Sturmtief ein. Die Stürme entstehen, wenn hohe Druckgradienten auftreten. Diese sind häufig im Einflussbereich starker Tiefdruckgebiete als „Sturmtief“ vorhanden. Diese Sturmwinde können ferner durch topographisch bedingte Kanalisierung des Windes entstehen wie zum Beispiel als Talwind in engen Tälern.

Als Sturm werden Winde mit Geschwindigkeiten von mindestens 20.8m/s (74.9km/h) oder 9 Beaufort bezeichnet. Mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 32.7m/s (117,7 km/h) oder 12 Beaufort bezeichnet man diese als Orkan. Kurzzeitige starke Sturmstärken werden als Sturmböe bezeichnet. In der Regen sind mit einem Sturm auch starke Regenfälle verbunden, weshalb die Bezeichnung umgangssprachlich oft auch als Synonym für einen schweren Schauer oder ein Gewitter verwendet wird. Der Sturm wird, je nachdem was aufgewirbelt oder womit dieser zusammen auftritt, als Schneesturm, Sandsturm, Hagelsturm oder Staubsturm klassifiziert. In Gebirgen entstehen als Trockenwind-Ereignis auch die sogenannten Föhnstürme.

Die Windgeschwindigkeit wird in Kilometer pro Stunde oder Meter pro Sekunde (m/s), Knoten (kn) = Seemeilen/Stunde (sm/h) und in den USA auch oft in Meilen pro Stunde (mph) ausgedrückt. Die verschiedenen Einheiten lassen sich wie folgt umrechnen:

Wert===
1 kn1 sm/h 1,852 km/h0,514 m/s
1 m/s3,6 km/h 1,944 kn2,237 mph
1 km/h0,540 kn0,278 m/s0,621 mph
1 mph1,609344 km/h 0,8690 kn0,447 m/s

Schäden durch Sturmböen und Stürme in Tiefdruckgebieten, sogenannte Sturmtiefs, sind meistens abgedeckte Dächer, umgeknickte Bäume oder andere Windverfrachtungen. Bei sehr starken Tiefdruckgebieten kommt es neben heftigen Gewittern meist auch zu starken Fallwinden, sogenannte Micro- und Downbursts. Das sind Fallböen die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180km/h vertikal auf den Boden „fallen“. Dabei können grosse Schäden ähnlich eines Tornados entstehen.

Die folgende Tabelle zeigt die entsprechenden Windgeschwindigkeiten und mögliche Schäden dazu. Für die bestimmten Windgeschwindigkeiten werden auch jeweilig dazugehörige Symbole verwendet.

SymbolWindstärke in bftBeschreibungWindgeschw. in knWindgeschw. in m/sWindgeschw. in km/hWindgeschw. in mph
0Windstille, Flaute0 - 0,0 - 0 - 10 -
1leichter Zug1 - 0,3 - 1 - 51,2 -
2leichte Brise4 - 1,6 - 6 - 114,6 -
3schwache Brise7 - 3,4 - 12 - 198,1 -
4mässige Brise11 - 5,5 - 20 - 2812,7 -
5frische Brise16 - 8,0 - 29 - 3818,4 -
6starker Wind22 - 10,8 - 39 - 4925,3 -
7steifer Wind28 - 13,9 - 50 - 6132,2 -
8stürmischer Wind34 - 17,2 - 62 - 7439,1 -
9Sturm41 - 20,8 - 75 - 8847,2 -
10schwerer Sturm48 - 24,5 - 89 - 10255,2 -
11orkanartiger Sturm56 - 28,5 - 103 - 11764,4 -
12Orkan≥ 64≥ 32,7≥ 118≥ 73,6
12Schwerer Orkan≥ 75≥ 43,4≥ 130≥ 85,2

 

Tornado

Ein Tornado ist ein kleinräumiger Luftwirbel in der Erdatmosphäre mit einer annähernd senkrechter Drehachse. Er hängt mit konvektiver Bewölkung zusammen und unterscheidet sich damit von Kleintromben (zB. Staubteufeln). Dieser Wirbel erstreckt sich durchgehend vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Im deutschsprachigen Raum wird der Tornado auch Wind- und Wasserhose über Land, respektive grössere Wasserflächen bezeichnet.  Die Bezeichnung Windhose wurde vermehrt für verschiedene Phänomene im Zusammenhang mit plötzlich stark auftretenden Winden verwendet, was hierbei fälschlicherweise auf Kleintromben oder Downbursts bezogen ist. Ausserdem entsteht somit der Eindruck eines Unterschiedes zwischen den grossen Tornados in Nordamerika und den kleinen Windhosen in Europa.

Zwischen Windhosen und Tornados besteht jedoch kein Unterschied, weder bezüglich ihrer physikalischen Natur noch ihrer Stärke. Ein Tornado ist und bleibt ein Tornado, egal ob über Wasser oder Land und egal wie klein (dies zumindest aus meteorologischer und korrekter Ansichtsweise).

Die Entstehung von Tornados ist sehr komplex und bis heute ein aktueller Forschungsgegenstand. Trotz offener Fragen in Bezug auf Details sind die Voraussetzungen und die prinzipiellen Mechanismen der Tornadogenese recht gut bekannt. Unter den entsprechenden Bedingungen können sich Tornados an jedem Ort während des ganzen Jahres bilden.

Ein Tornado dauert zwischen wenigen Sekunden und einer Stunde. Er erreicht Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 km/h und sein Durchmesser beträgt zwischen 50 und 100 Metern. Die Luftwirbel treten in unterschiedlicher Stärke auf. Tornados mit hoher Geschwindigkeit stellen eine Gefahr für Mensch und Natur dar.

Schäden nach Tornado in Polen

Damit ein Tornado entstehen kann braucht es einige Voraussetzungen für hochreichende Feuchtekonvektion. Dazu gehören Labilität (hinreichend starke und vertikale Temperaturabnahme), genügendes Angebot an Feuchte (latente Wärme) in den unteren 1 bis 2km der Atmosphäre sowie die Hebung der Luftmasse um die Feuchtekonvektion auszulösen. Hebungen können thermischer oder dynamischer Natur sein wie zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung oder Fronten. Ein wesentlicher Energielieferant dieser Stürme und Gewitter im allgemeinen ist die im Wasserdampf der feuchten Luftmasse gespeicherte latente Wärme, welche bei der Kondensation freigesetzt wird. Diese zusätzliche Wärmemenge ermöglicht erst ein hochreichend freies Aufsteigen der Luft, da die Atmosphäre gegenüber trockener Konvektion – abgesehen von bodennaher Überhitzung – stabil ist. Im letzteren Fall kann es lediglich zur Bildung von Kleintromben (sog. Gustnados oder Böenfrontwirbel) kommen, welche sich an der Böenfront eines Schauers oder Gewitters zu Tornados entwickeln können, sofern diese Kontakt zum feuchtkonvektiven Aufwind bekommen und verstärkt werden.

Einfach und kurz erklärt: Voraussetzung für das Entstehen eines Tornados ist feucht-warme Luft am Boden und kalte Luft in den höheren Schichten. Wenn Wind am Boden und in großer Höhe in verschiedener Richtung weht, dann kann es geschehen, daß Gewitterwolken in Drehung versetzt werden.

Die warme Luft am Boden steigt auf, Wasser kondensiert und bildet Wolken, die zu einem Gewitter werden, welches rotiert. Werden die nach oben strömenden Luftmassen – die sogenannten Aufwinde – sehr schnell, dann entsteht ein Unterdruck, der weitere Luft ansaugt. Durch den Unterdruck und die Rotation bildet sich ein Wirbel, der bis zum Boden reichen kann.

Hinsichtlich der Entstehung dieser Tornados wird zwischen mesozyklonalen und nicht-mesozyklonalen Tornados unterschieden.

 

Mesozyklonale Tornados

Mesozyklone (Superzelle bei Nacht)

Bei mesozyklonalen Tornados tritt zu den grundlegenden Zutaten für Schauer- oder Gewitterwolken eine starke vertikale Windscherung hinzu. Mit Windscherung versteht man eine Zunahme der Windgeschwindigkeit und Änderung der Windrichtung mit der Höhe. Dieses Windprofil ermöglicht die Bildung von Gewitterzellen mit einem rotierenden Aufwind (Mesozyklone), die sogenannte klassische Superzelle, welche sich durch Langlebigkeit bis zu mehreren Stunden und heftigen Begleiterscheinungen wie grossen Hagel, Starkregen sowie Downbursts (Gewitterfallböen) bis zu 200km/h auszeichnen. In 10 bis 20 Prozent aller Superzellen kommt es zu einem Tornado.

Saugt diese Superzelle bodennahe feuchtwarme Luft auf, so gerät dieser Luftschlauch ebenfalls in Rotation. Durch den Pirouetten-Effekt werden die Geschwindigkeiten immer größer, je kleiner der Durchmesser des rotierenden Objektes ist. So sind hier Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde möglich.

Vielfach ist vor der Tornadoentstehung eine Absenkung der rotierenden Wolkenbasis, eine sogenannte Wallcloud (deutsch: Mauerwolke) zu beobachten.  Die Drehrichtung von mesozyklonalen Tornados ist auf der Nordhalbkugel überwiegend zyklonal, das heisst entgegen dem Uhrzeigersinn. Dies ist aber kein unmittelbarer Effekt der Corioliskraft, denn dafür sind Tornados zu kleinräumig.  In den meisten Fällen dreht auf der Nordhalbkugel der Wind mit der Höhe nach rechts, wobei die Luft aus südlicher Richtung in die Mesozyklone einströmt, was zu zyklonaler Rotation entgegen dem Uhrzeigersinn führt.

 

Nicht-Mesozyklonale Tornados

Wasserhose über dem Bodensee

Bei dieser Art von Tornado ist eine Superzelle nicht dringend erforderlich. Besonders bei kleinräumigen Konvergenzen tritt diese Tornadoform auf. Strömen bodennahe Luftmassen aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zu, kommt es zu dieser sogenannten Konvergenz. Treffen die Luftmassen aufeinander, sind sie gezwungen aufzusteigen und bekommen so einen gewissen Rotationsschwung.

 

 

Da die Drehung eine Erhaltungsgröße ist, bleibt somit auch die Drehung in der unteren Höhe der Wolke überwiegend erhalten. Kommt es zusätzlich beim Aufstiegsprozess der Luftmasse zu Windscherungen, also unterschiedliche Windrichtungen und -geschwindigkeiten, kann sich aus der daraus entstandenen Gewitterwolke ein Tornado bilden.

 

Klassifizierung der Zerstörungskraft eines Tornados

Schaden nach Wirbelsturm in Polen

Tornados werden durch ihre Zerstörungskraft klassifiziert. Wie bei einem Hurrikan gibt es fünf Kategorien: Von den relativ schwachen F-0- bis F-1-Tornados bis hin zu den zerstörerischen F-5-Tornados. F steht dabei für die Fujita-Skala, die 1971 vom gleichnamigen Tornadoforscher entwickelt wurde. In Mitteleuropa wird zudem die T-Skala von T0 bis T10 verwendet, ab und zu werden auch beide Werte kombiniert wie z.B. F1 T0.  Die Fujita Skala wird eher in den USA angewendet, während bei uns vermehrt mit der T-Skala (Torro Skala) gearbeitet wird, da sie der örtlichen Bausubstanz besser Rechnung trägt.

Torro – Skala (T)

T-Kategoriem/smphkm/h
T017 - 2439 - 54ca. 61 - 87
T125 - 3255 - 72ca. 88 - 116
T233 - 4173 - 92ca. 117 - 148
T342 - 5193 - 114ca. 149 - 184
T452 - 61115 - 136ca. 185 - 220
T562 - 72137 - 160ca. 221 - 260
T673 - 83161 - 186ca. 261 - 299
T784 -95187 - 212ca. 300 - 342
T896 - 107213 - 240ca. 343 - 385
T9108 - 120241 - 269ca. 386 - 432
T10121 - 134270 - 299ca. 433 - 482

Fujita-Skala (F)

Fujita StufeWindgeschw. in m/sWindgeschw. in km/hSchäden
F063 - 117Leichte Schäden an Schornsteinen, abgebrochene Äste und Baumkronen, Entwurzelung flach wurzelnder Bäume. F0 wurde eingeführt um Tornados unterhalb von 12 Beaufort zu klassifizieren.
F132,5 - 50118 - 180Wellblech oder Dachziegel werden abgehoben, Wohnmobile umgeworfen, fahrende PKW werden verschoben.
F250 - 70181 - 253Dächer werden ganz abgedeckt, Wohnmobile vollständig zerstört, grosse Bäume entwurzelt, leichte Gegenstände werden zu gefährlichen Geschossen.
F370 - 92254 - 332Dächer und leichte Wände werden abgetragen, Wald wird grossteils entwurzelt, LKW und PKW werden umgeworfen oder verschoben, PKW können angehoben werden.
F492 - 116333 - 418Holzhäuser mit schwacher Verankerung werden verschoben, schwere Gegenstände werden zu gefährlichen Projektilen.
F5116 - 142419 - 512Holzhäuser werden von ihren Fundamenten gerissen, weit verschoben und zerlegt. Ein Tornado dieser Stärke kann Asphalt von der Strasse schälen.
F6142 - 170513 - 612Offiziell wurde noch kein Tornado der Stärke F6 beobachtet.
F7170 - 199612 - 717Theoretischer Wert, der bisher nicht beobachtet wurde.
F8199 - 230717 - 827Theoretischer Wert, der bisher nicht beobachtet wurde.
F9230 - 262827 - 943Theoretischer Wert, der bisher nicht beobachtet wurde.
F10262 - 295943 - 1063Theoretischer Wert, der bisher nicht beobachtet wurde.
F11295 - 3301063 - 1188Theoretischer Wert, der bisher nicht beobachtet wurde.
F12> 330> 1188Diese Windgeschwindigkeiten sind auf der Erde nicht erreichbar.

 

Kleintromben und Gustnados

Eine Kleintrombe ist im Gegensatz zu einer Grosstrombe (Tornado) ein kleinräumiger Luftwirbel mit vertikaler Achse und meist geringer Höhenerstreckung, der auf die atmosphärische Grenzschicht beschränkt ist. Es besteht dabei kein direkter Zusammenhang mit einer konvektiven Bewölkung.

Je nach ihrem Erscheinungsbild und dem aufgewirbelten Material sind verschiedene Bezeichnungen gebräuchlich. Darunter fallen unter anderem die bekannten sogenannten Staubteufel, Heuteufel, Sandteufel, Staubtrombe oder Wasserteufel. Selten treten auch sogenannte Schneeteufel auf. Böenfrontwirbel, sogenannte Gustnados, dürfen mit Staubteufeln hingegen nicht verwechselt werden.

Entstehung der Kleintromben

Die wichtigste Bedingung zur Entstehung von Kleintromben ist eine bodennahe Überhitzung der Atmosphäre. Dabei lösen sich bei einer trockenlabile Schichtung Thermikblasen  vom Boden ab, welche beim schnellen Aufsteigen eine vorhandene schwache Rotation der Luft durch Streckung des Wirbels konzentrieren können. Durch den Pirouetten-Effekt und mit Hilfe der Drehimpulserhaltung nimmt die Windgeschwindigkeit rasch zu und kann in Extremfällen sogar bis Orkanstärke erreichen.

Die Lebensdauer einer Kleintrombe liegt zwischen wenigen Sekunden bis rund einer halben Stunde. Sie können nahezu stationär verharren oder sich im Schritttempo, oder in Extremfällen mit bis zu 100 km/h, vorwärts bewegen.

Die Drehrichtung von Staubteufeln wird aufgrund der geringen räumlichen Ausdehnung des Windes nicht von der Corioliskraft bestimmt, denn hier spielen Windrichtung und Orografie eine Rolle. Kleintromben sind am ehesten in der warmen Jahreszeit über offene Landflächen (unbewachsene Äcker, abgemähte Wiesen, Sportplätze oder Hangflächen oberhalb der Baumgrenze) anzutreffen. Die Sonderform des Gustnados wird dynamisch an Böenfronten vor Schauern oder Gewittern ausgelöst. Eine seltene Variante bei niedrigen Lufttemperaturen ist über (relativ) warmen Wasseroberflächen als Nebelteufel zu beobachten.

Bezüglich des Föhnsturmes in der Schweiz über dem Vierwaldtstätter- und Urnersee kommt es durch die verschiedene Windrichtungen ab und zu zu kleinen Wasserteufel (Kleintromben), wie beispielsweise das folgende Video (welches ich gefilmt habe (Upload auf dem Kanal meiner Organisation Unwetterbeoabchtung CH/EU)) zeigt:

 

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