Es ist aktuell eine Gluthitze draussen und kaum auszuhalten. In diesen Momenten geht man lieber früh am Morgen oder – in unserem Fall noch besser – spät Abends raus. Die Sommermonate bieten die beste Gelegenheit unsere Galaxie die Milchstrasse zu fotografieren. Immer wieder stosse ich auf grosses Interesse dazu und werde gefragt wie man dies macht und wie ich die Bilder bearbeite.

Grundsätzlich möchte ich vorweg sagen: Das Fotografieren der Milchstrasse ist das einfachste an der Ganzen Sache. Schwieriger wird es, diese in der Bildbearbeitung so hervorzuheben wie man sie von Auge auch gesehen hat. Da die Sterne auch in sehr dunkler Umgebung bereits etwas lichtschwach sind und ein hoher ISO nötig ist, muss ein Mittelwert zwischen Rauschen und ISO gefunden werden.

Grundlegende Einstellungen und unverzichtbare Vorbereitungen

Um die besten Ergebnisse in der Fotografie zu erzielen sollte man sich an einem dunklen Ort befinden. Denn schon die kleinste Lichtverschmutzung wie zum Beispiel durch Werbeplakate, Strassenlaternen oder Stadtlichter reicht, um das Bild „kaputt“ zu machen. Es gibt zwar Möglichkeiten wie die Fotografie der Milchstrasse auch bei mittelmässiger Lichtverschmutzung möglich ist, darauf gehe ich in einem anderen Beitrag genauer ein.

Wichtig ist, folgende Vorbereitungen zu treffen:

  • Der Ort sollte so wenig Lichtverschmutzung wie möglich haben.
    (Eine gute Möglichkeit zu sehen wo und wieviel Lichtverschmutzung herrscht, gibt es online bei LightpollutionMap)
  • Die Kamera sollte einen manuell einstellbaren Modus besitzen mit bis zu 30 Sekunden Belichtungszeit
  • Ein guter Vordergrund wirkt sich super gegen langweilige Bilder aus. Das kann ein Berg, eine Kapelle, ein See oder auch nur ein einzelner Baum sein.
  • Ein stabiles Stativ sowie ein Fernauslöser (sofern nicht in der Kamera integriert) sind ebenso Pflicht

 

Dies reicht grundsätzlich auch schon. Bei der Webseite Lightpollutionmap.info achte ich immer auf graue und schwarze Felder. Je dunkler die Farbe oder die Schattierung auf der Karte beim jeweiligen Ort ist, desto weniger hat es Lichtverschmutzung. Es empfiehlt sich also dort ein Ort auszusuchen wo es am wenigsten Licht hat. Eine Absolute Dunkelheit ist in Europa leider kaum mehr möglich.

Die Bilder zeigen eine mittelmässige bis grosse Lichtverschmutzung (Bild 1) und eine geringe Lichtverschmutzung, optimal für die Milkyway-Fotografie (Bild 2, in den dunklen Bereichen).


Planungstip: Mit der App „PlanIT! für Fotografen“ lässt sich die Bildidee zur Milchstrasse bereits im Voraus sehr gut planen. Denn mit dieser App ist es unter anderem möglich das Milchstrassenzentrum sowie der Verlauf der Milchstrasse und deren Position anzeigen zu lassen. Ebenso lassen sich Sonne, Mond und weitere spannenden Ephmeriden-Funktionen anzeigen wie zum Beispiel Dämmerung, Meteorschauer, Zeitraffer, Sequenz, Gezeiten und vieles mehr. Die App gibt auch nützliche Infos welche Belichtung zur berechneten Tages- und Nachtzeit verwendet werden sollte um ein gutes Ergebnis zu erhalten. Die App gibt es in einer kostenlosen und einer Pro-Version. Ich selbst nutze die Pro-Version denn es ist das Geld echt wert. Herunterladen kannst Du diese super App hier:
 

 


Steht die Location fest kann es nun an das Fotografieren gehen. Es gibt für die Milchstrasse keinen richtigen Richtwert, da dies von der jeweiligen Kamera und auch dem dazugehörigen Objektiv abhängig ist. Ich würde zum Start allerdings die folgenden Einstellungen verwenden und anschliessend mit ISO sowie Blende und Belichtung selbst experimentieren. Wichtig dabei ist dass Du Dich jeweils zwischen ISO 1600 und maximal 6400 befindest. Nachfolgend findest Du ein paar Fotos direkt „Out of Cam“ und die Einstellungen dazu. Wichtig: Fotografiere wenn möglich im RAW Format um später das Bestmögliche herausholen zu können.

Einstellungen für den Beginn:
Manueller Modus: 25 Sekunden Belichtungszeit, Blende 3.2, ISO 3200

Probiere ruhig ein paar Einstellungen aus so wie es für Dich und Deine Kamera möglich ist und gefällt. Denke daran, je besser das RAW Foto, desto mehr lässt sich schlussendlich aus dem Bild herausholen.  Nachfolgend ein Beispiel was man aus einem Foto alles herausholen kann. Dazu habe ich Lightroom sowie Photoshop verwendet. Ein Tutorial dazu folgt demnächst.

Wann kann ich die Milchstrasse fotografieren?

Die Milchstrasse lässt sich grundsätzlich das ganze Jahr über fotografieren und ist von blossem Auge in dunklen Gegenden sichtbar. Im Winter allerdings sehen wir nur die Aussenseite, also vom Zentrum weg. Am spannendsten ist jedoch das Zentrum mit der sogenannten „Sattigarus-Wolke“ in den Sommermonaten. Der beste Zeitpunkt ist jeweils  von ende Mai bis Mitte Oktober. Wichtig dabei ist dass Neumond herrscht oder der Mond erst später aufgeht. Denn das Mondlicht stört dermassen dass Du keine Milchstrasse mehr siehst weil die Sterne vom Licht überstrahlt werden.

Die Zeiten zwischen 22:30 und 01:15 Uhr sind in den Monaten Juni, Juli sowie August am besten, so habe ich die Erfahrung gemacht. Der Mond geht entweder erst nach 01:10 Uhr auf oder bereits vor 23:00 Uhr unter. Dann stört auch dieser nicht mehr. Um jeweils den besten Zeitpunkt und die perfekten Bedingungen für die Milchstrassen-Fotografie zu eruieren, nutze ich die Android-App „Mobile Observatory„. Damit lassen sich sehr viele verschiedene Sachen anzeigen was gerade alles geschieht. Über Kometen, Sternschnuppen, Ereignisse, Finsternisse, Dämmerung,  Sonnen- und Mondphasen ist alles mit dabei. Auch die Sattigarus-Wolke wird dabei genannt, hier bei schau ich immer auf die Aufgangs-Zeit über dem Horizont und versuche mich zwischen der Aufgangs- und Meridianzeit fix aufzustellen. Denn ab Meridian bis zum Untergang des Zentrums steht die Milchstrasse dermassen hoch oben im Zenit, dass ein gescheites Bild mit einem geeigneten Vordergrund kaum möglich ist.

Die App kostet ebenfalls etwas, für mich als Fotograf ist diese nebst der PlanIT! App ein „Must have“ und sehr nützlich.

Dieser Blog wird unter Umständen noch weiter ergänzt oder es folgt ein ganz neuer Blog inklusive Bearbeitungs-Tutorial. Schaue doch immer wieder mal vorbei und solltest Du Fragen in Bezug auf die Milchstrassen-Fotografie haben, schreibe es doch einfach in den Kommentar. Ich werde so schnell wie möglich darauf antworten.

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